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Präsidialer Besuch an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule

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Frau Elke Büdenbender, die Gattin unseres Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, informierte sich auf Einladung des Traumaforschers Professor Dr. Jörg Feger, ärztlicher Direktor der Ulmer Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie der Handwerkskammer Ulm im Rahmen einer Visite in Ulm auch an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule, wie Flüchtlingen geholfen wird, damit sie in unsere Gesellschaft integriert werden können. So war neben dem Besuch einer Kfz-Werkstatt in Söflingen und einer Fachtagung am Klinikum Frau Büdenbender auch zu Gast in einer VABO-Klasse (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse) an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule.
Elke Büdenbender war in ihrer Eigenschaft als Unicef-Schirmherrin nach Ulm gekommen, um sich an unterschiedlichen Orten und aus unterschiedlichen Perspektiven über die Themenbereiche zur Flüchtlingsintegration zu informieren.
So hatte die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule am 21. November 2019 neben Frau Büdenbender Herrn Oberbürgermeister Gunter Czisch, Herrn Professor Dr. Jörg Feger sowie Herrn Handwerkskammerpräsident Joachim Krimmer zu Gast.

Frau Büdenbender, die sich auch als Botschafterin der dualen Ausbildung versteht, trat in der Klasse VABO herzlich unprätentiös auf und gewann auf diese Art schnell die Herzen der Schülerinnen und Schüler. Ungewöhnlich offen zeigten die Schülerinnen und Schüler in einem sehr akzeptablen Deutsch ihre unterschiedlichen Lebenswege auf. Teilweise sind diese durch Flucht geprägt, andererseits gibt es auch viel Freude aber auch Sorgen der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer eigenen Zukunft und den Bleibeperspektiven in Deutschland. Der Gedanke an die Daheimgebliebenen sowie auch an eine mögliche drohende Abschiebung ist stets belastend, wenn der Aufenthaltsstatus noch nicht positiv entschieden ist.

So erfuhren Frau Büdenbender sowie alle Gäste, dass zwei pakistanische Schülerinnen bereits in den früheren Jahren schon regelmäßig in den Sommerferien in Deutschland weilten und nun ihr Glück vollständig in Deutschland versuchen. Diese beiden Schülerinnen haben hohe Ziele und möchten das Abitur in Deutschland ablegen, damit sie Medizin studieren können. Eine weitere Schülerin gab als Berufswunsch Friseurin an. Ein anderer Schüler wollte mit CNC-Maschinen arbeiten, ganz so wie sein Vater in Syrien, wieder ein anderer möchte Maler werden. Vielfach standen hinter den unterschiedlichen Wünschen der Schülerinnen und Schüler handwerkliche Berufe. So werden auch in den nächsten Jahren diese Schülerinnen und Schüler in Ausbildungsbetrieben in der Region den schulischen Teil ihrer beruflichen Ausbildung an einer der Berufsschulen in Ulm absolvieren.

Mit einer Übergangsquote von ca. 60 % werden die Auszubildenden mit Fluchthintergrund in der Region in handwerklichen Berufen ausgebildet. In den Berufsschulklassen der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule sind so in den letzten Jahren die Anzahl geflüchteter Schülerinnen und Schüler erheblich angestiegen. Die ersten Schülerinnen und Schüler legten bereits im vergangenen Schuljahr 2018/19 ihre Berufsschulabschlussprüfung an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule ab. In den Folgejahren wird die Anzahl der geflüchteten Schülerinnen und Schüler in den Prüfungsklassen deutlich steigen, da viele der vor allem im Jahr 2015 angekommenen berufsschulpflichtigen Jugendlichen, es waren alleine für den Stadtkreis Ulm annähernd 500 neue Schülerinnen und Schüler in der Altersklasse von 16 bis 21 Jahren, nun in den ersten drei Ausbildungsjahren über die Berufsschulen der Stadt Ulm verteilt sind. Ein Großteil davon ist an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule mit ihren vielfältigen handwerklichen Berufen in der Berufsschule.

Frau Büdenbender zeigte sich von den Lebenswegen der verschiedenen Schülerinnen und Schüler beeindruckt und erzählte auch aus ihrem Leben, dass sie selber aus einer kleinen Gemeinde aus dem Siegerland stammt, als Juristin am Verwaltungsgericht arbeitet und die Ängste und Sorgen der Schülerinnen und Schüler sehr gut verstehe. Sie zeigte deutlich, wie beeindruckt sie von den Deutschkenntnissen und den Sprachentwicklungen der Schülerinnen und Schüler ist. Hier lobte Frau Büdenbender nicht nur die Weiterentwicklung der Schülerinnen und Schüler sondern auch wohltuend das Engagement des Kollegiums der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule für diese Schülerinnen und Schüler. Frau Büdenbender sowie die anderen Gäste wohnten einer Deutschstunde der engagierten Kolleginnen Frau Gröber und Frau Olszar in der Klasse VABO bei, die im Team niveau- und binnendifferenziert ihre Schülerinnen und Schüler unterrichteten.
Im Anschluss an die gesehene Deutschstunde interessierte sich Frau Büdenbender auch für das Konzept der Ausbildungsvorbereitung an baden-württembergischen Schulen. Die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule ist eine der 17 neuen Schulen, die sich in diesem Schuljahr mit einem neuen pädagogischen Konzept zur gemeinsamen niveaudifferenzierten Ausbildung von Schülerinnen und Schülern aufmachten. So werden die berufsvorbereitenden Bildungsgänge VAB, BEJ und der Schulversuch BFPE mit der Neuausrichtung durch die Ausbildungsvorbereitung AV ersetzt. Die Schule hofft und setzt auf eine Weiterentwicklung dieser Schulart hin zu AVdual, die hoffentlich bei einer weiteren Abstimmung des Ulmer Gemeinderates noch genehmigt werden könnte. Hier setzt die Schule insbesondere auf die intensive Partnerschaft mit den Ausbildungsbetrieben und bei AVdual auf einen noch größeren Klebeeffekt der Schülerinnen und Schüler bei den Ausbildungsfirmen und somit zur Berufsausbildung.

Die Einführung der Pädagogik des niveaudifferenzierten Lernens stellte für das Kollegium der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in der Einführungsphase eine enorme Herausforderung dar. Inzwischen aber können auch dank des in den Vorjahren von der FSS konzipierten pädagogischen Konzepts für eine Neuausrichtung der damaligen Schulart BVJ im Jahr 2010 im hierfür von der Stadt Ulm im Jahr 2014 erstellten Erweiterungsbau mit einem Multifunktionsraum, kleinen Gruppen- und Arbeitsräumen sowie einer integrierten kleinen Küche zur Herstellung von Speisen im Berufsfeld Nahrung, die neuen Konzeptionen des Kultusministeriums hervorragend abgebildet und durchgeführt werden. Die Kolleginnen und Kollegen erleben die neue Form der berufsbezogenen „Gemeinschaftsschule“ als einen Gewinn für das gemeinsame Lernen und Arbeiten mit ihren Schülerinnen und Schülern, die auf den unterschiedlichen Niveaus noch Nachholbedarf haben, als effizient und gewinnbringend. Unsere Kolleginnen und Kollegen erhalten von ihren Schülerinnen und Schülern beeindruckende Feedbacks für die konstruktive und äußerst gedeihliche Zusammenarbeit. Die regelmäßigen Zielvereinbarungsgespräche mit den Schülerinnen und Schülern sowie die gemeinsamen Lernzeiten, in denen die Lehrer mehr als Coach denn als Lehrer auftreten und ihre Schülerinnen und Schüler in jeglicher Hinsicht fachlich sowie auch pädagogisch unterstützen, sind Teil der an der Schule umgesetzten neuen Pädagogik.

Frau Büdenbender zeigte sich von dieser Konzeption sowie der Umsetzung an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule sehr beeindruckt und wünscht der Schule weiterhin ein gutes pädagogisches Arbeiten zum Wohle der Schülerinnen und Schüler, vor allem aber auch für deren Integration in unsere Gesellschaft, die für die neuen zugereisten Mitbürgerinnen und Mitbürger die neue Heimat werden soll.

Lorenz Schulte

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